Kamenez-Podolskyj & Chotyn

Die Festung Chotyn.
Die Festung Chotyn.
Das Innere der Festungsanlage Kamenez-Podolskyj.
Das Innere der Festungsanlage Kamenez-Podolskyj.
Die Festung in Kamenez-Podolskyj.
Die Festung in Kamenez-Podolskyj.

Die Festungen Chotyn und Kamenez-Podolskyj im Südwesten der Ukraine sind vor allem als von verschiedenen Mächten umkämpfte Grenzregionen bekannt. Im Verlaufe der Jahre, vor allem der frühen Neuzeit, konnten sie von russischen, polnischen, osmanischen und kosakischen Heeren erobert werden.

Der Innenhof der Burg in Chotyn.
Der Innenhof der Burg in Chotyn.

Die erste Burg auf dem Gebiet der heutigen Festung Chotyn entstand im 10. Jahrhundert durch Wladimir I., Fürst der Kiewer Rus, der mit dieser Anlage die von ihm eroberten Gebiete der heutigen Bukowina sichern wollte. Die Festung gehörte im Laufe der Jahre mehreren Herrschaftsgebieten an und wurde verändert, teilweise zerstört und wieder aufgebaut. Der heutige Aufbau der Festung entstand im 14. Jahrhundert unter dem moldauischen Herrscher Stefan dem Großen. Sie spielt in Bezug auf die Erinnerungskultur eine besondere Bedeutung in Verbindung mit dem Kosakentum, da die Burganlage Schauplatz von mehreren Schlachten war, in die Kosakenheere involviert waren. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist die Schlacht im Jahre 1621, in dem die Kosaken gemeinsam mit dem polnischen König ein türkisches Heer besiegten. Heute ist die Festung ein kulturelles und touristisches Zentrum in der Bukowina und wurde bereits mehrmals als Drehort von Spielfilmen genutzt.

Die Festung Kamenez ist seit dem 14. Jahrhundert belegt und wurde bis zur Neuzeit etliche Male restauriert und erweitert, beispielsweise wurden neue Türme oder Baracken hinzugefügt. Diese Restaurationen und Anbauten aus verschiedenen Jahrhunderten und in verschiedenen Stilarten finden sich auch immer noch im heutigen Erscheinungsbild des Monuments wieder, das sehr beliebt bei Touristen, vor allem aus Polen, ist. Das liegt daran, dass Kamenez-Podolskyj lange unter der Herrschaft Polen-Litauens stand und eine der wichtigsten Festungen zur Sicherung der Grenzen zum Osmanischen und später Russländischen Reich darstellte. Aus diesem Grund hat Kamenez, genauso wie Chotyn, immer noch einen bedeutenden Platz auf der mental map der Polen als eine „Grenzfestung des Christentums“. Neben den o.g. ausländischen Mächten konnte die Festung auch mehrmals von kosakischen Führern erobert werden: 1648, 1652 im Rahmen des Chmelnyzkyj-Aufstandes und 1672 unter Hetman Doroschenko.

Hier gehts weiter zu den Kosaken

Kamenez ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfotos.
Kamenez ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfotos.
Denkmals für die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee 1944 in Kamenez.
Denkmals für die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee 1944 in Kamenez.

Auch die Epoche des 20. Jahrhunderts ist in der Erinnerungskultur Kamenez präsent, hier in Form eines Denkmals für die Befreiung der Stadt durch die Rote Armee 1944. Mit der Aufschrift "Es leben die Helden" soll hier den Soldaten gedacht werden, die die Stadt von den Nationalsozialisten "befreiten". Eine Besonderheit ist dieses Denkmal nicht: in vielen der von uns besuchten Städte war mindestens ein Denkmal für die Rote Armee zu finden. Dass sich eine Ausstellung im Inneren der Festung Kamenez intensiv mit der Sowjetzeit beschäftigt zeigt, dass das sowjetische Narrativ hier ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Ein weiteres Ereignis des 20. Jahrhunderts war ein von deutschen Truppen verübtes Massaker bei dem mehrere tausend Juden umgebracht wurden. Am Ort des Geschehens erinnert heute ein Denkmal an die Opfer, in der ukrainischen Wahrnehmung Kamenez-Podolskyjs spielt dies jedoch keine besonders große Rolle. Anders in Deutschland: sucht man nach deutschsprachigen Werken zu Kamenez, findet man den Stadtnamen zu einem überwältigenden Teil in Verbindung mit besagtem Massaker, wohingegen die abwechslungsreiche Geschichte der Gegend, vor allem die der frühen Neuzeit, selten aufgegriffen wird.