Galizien

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Der Raum Galizien beschreibt eine ehemalige Region, die in der heutigen Westukraine (Ostgalizien) und in Südpolen (Westgalizien) zu verorten ist. Im Laufe der Geschichte unterlief das Gebiet zahlreiche Herrschaftswechsel sowie verschiedene strukturelle und demographische Wandlungen.

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Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts beherrschten vorwiegend polnische Könige den Raum als Teil der polnisch-litauischen Union. Im Jahr 1772 wurde die Region als Folge der ersten polnischen Teilung dem österreichischen Kaiserreich mit dem Titel „Königreich Galizien und Lodomerien“ angegliedert. Derzeit war es sowohl das östlichste als auch das größte Kronland der Habsburgischen Monarchie. Als Folge des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs im Jahr 1868 erlangte Galizien weitestgehend administrative Autonomie, welches in der sprachlichen und kulturellen Dominanz des polnischen Adels innerhalb es konstitutionellen Regimes resultierte. Nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im Jahr 1918 kam es als Folge des aufkommenden ukrainischen Nationalismus kurzzeitig zum Ausruf der „Westukrainischen Volksrepublik“, welches zu bitteren polnisch-ukrainischen Kämpfen in den Jahren 1918-1919 führte. Nach der Pariser Friedenskonferenz 1919/20 wurde Galizien zum Grenzgebiet der Zweiten polnischen Republik.

Im Jahr 1939 fanden die „großen Ideologien“ Einzug in die Region und hinterließen tiefe Spuren. Als Folge des Hitler-Stalin-Pakts 1939 besetzten die Sowjets den Raum Galizien zunächst für zwei Jahre, woraufhin die Region im Jahr 1941 durch die Nationalsozialisten in das Generalgouvernement Polen eingegliedert wurde. 1944 erfolgte die Machtrückgewinnung der Roten Armee und das ehemalige Galizien wurde Teil der Sozialistischen Sowjetrepublik. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion stimmte die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung in einem Referendum im Jahr 1991 für die Unabhängigkeit des Landes.

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Die Region Galizien war als Ort der Zuwanderung durch ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt geprägt. Polen, Ukrainer und Juden stellten die größten Bevölkerungsgruppen dar und lebten im galizischen Raum für mehrere Jahrhunderte mit- und neben zahlreichen anderen Gemeinschaften – unter anderem auch deutsche Siedlern. Dies bedingte eine bemerkenswerte religiöse Diversität. Seit dem Jahr 1939 kam es in der Region zu massiven demographischen Umwälzungsprozessen und das multiethnische Leben im ehemaligen Galizien wurde auf Kosten der großen Ideologien des 20. Jahrhunderts weitestgehend ausgelöscht.

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